Soloausstellung von Elisa Bongiovanni
03.10. – 13.12.2026
In ihrer Soloausstellung Die Alleinsamen zeigt die in Berlin lebende Illustratorin Elisa Bongiovanni eine Auswahl von Skizzen und Illustrationen, die sich mit dem Spannungsfeld zwischen Alleinsein und Einsamkeit beschäftigen.
Alleinsein ist – nicht erst seit der Pandemie – für viele Menschen zu einer alltäglichen Lebensrealität geworden. Häufig wird es jedoch ausschließlich durch das Narrativ der Einsamkeit gelesen: als Mangel, als Defizit, als etwas Unvollständiges. Die Alleinsamen setzen dieser reduzierten Wahrnehmung eine andere Perspektive entgegen.
Die gezeigten Figuren stehen für sich – authentisch, verletzlich und zugleich verbunden. Sie bewegen sich in den feinen Übergängen zwischen Selbstbestimmung und Einsamkeit, zwischen Rückzug und Beziehung. Alleinsein erscheint hier als Ressource: als Moment der Selbstwahrnehmung, als Kraftquelle, als alltägliche Praxis. Gleichzeitig bleibt auch Einsamkeit sichtbar – als reale Erfahrung, die uns alle betrifft.
Die Alleinsamen sind Figuren des Dazwischen. Sie stehen für sich, sie sind eigenständig, verletzlich und präsent – und zugleich bleiben sie in Beziehung. In den Skizzen begegnen uns Körper in Bewegung: gehend, fahrend, schwebend, ziehend. Es sind keine isolierten Einzelwesen, sondern Figuren, die sich nebeneinander durch die Welt bewegen. Nähe entsteht nicht durch Verschmelzung, sondern durch Richtung, Rhythmus, Aufmerksamkeit. Verbindung zeigt sich leise.
Elisas Zeichnungen verzichten auf klare Abgrenzungen. Linien bleiben offen, Farben verlaufen, Formen lösen sich an den Rändern auf. Diese formale Offenheit spiegelt die inhaltliche Haltung der Arbeiten: Alleinsein erscheint nicht als abgeschlossener Zustand, sondern als Prozess – als etwas Wandelbares, Durchlässiges, Situatives. Die Figuren sind bei sich und zugleich empfänglich für das Außen. Sie lassen Berührung zu, ohne sich aufzugeben.
Die Skizzen öffnen einen Raum, in dem Vertrauen wachsen kann: zu sich selbst, zu anderen und zur Welt. Sie laden dazu ein, Alleinsein nicht als Trennung, sondern als verbindende Erfahrung zu begreifen – als etwas, das geteilt werden darf, ohne Scham.
Im Fincan, einem Ort des Zusammenseins, des Austauschs und der Gemeinschaft, sind Besucher*innen eingeladen, den eigenen Blick auf Alleinsein und Einsamkeit zu reflektieren: gedanklich, im Gespräch oder durch künstlerischen Ausdruck. Die Alleinsamen verstehen sich als Einladung zum Teilen – und als Weg, auf dem wir uns selbst begegnen und einander wiederfinden.
Mehr über Ihre Illustrationen findest du auf Ihrer Webseite bongiovannielisa.com

