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Stellungnahme
zu einer Auseinandersetzung in unserem Verein im Juli 2026 und einer darauffolgenden Beschwerde
In den vergangenen Tagen wurden Vorwürfe über Vorfälle im Fincan und über unseren Umgang damit an verschiedene Menschen und Vereine aus unserem Umfeld herangetragen.
Eine bis vor kurzem im Fincan engagierte Person berichtet von rassistischen und queerfeindlichen Äußerungen, sowie einem körperlichen Übergriff durch eine andere im Fincan engagierte Person. Damit verbunden ist der Vorwurf, dass Betroffene vom Fincan nicht ernst genommen und geschützt worden seien.
Die Vorwürfe beziehen sich auf eine Auseinandersetzung, die sich im Juli in unserem Verein ereignete. In einer sehr schnell ansteigenden Dynamik kam es hier zu wechselseitigen Vorwürfen, vielen verletzten Gefühlen auf allen Seiten und schließlich einigen Austritten aus unserer Gruppe.
Zuallererst möchten wir allen Beteiligten unser aufrichtiges Mitgefühl aussprechen. Wir bedauern sehr, dass Menschen im Zusammenhang mit dem Fincan Verletzungen, Enttäuschung oder fehlende Unterstützung erfahren haben, wo wir unseren Verein doch zum Zwecke der Kultur und des nachbarschaftlichen Zusammenhaltes betreiben.
Wir möchten uns für unseren Anteil daran entschuldigen, obgleich die entstandene Situation sicher viele Ursachen hat, auf die wir in dieser Stellungnahme eingehen wollen.
Wir wünschen allen Beteiligten, insbesondere denjenigen, die sich aus verschiedenen Gründen verletzt oder nicht gehört gefühlt haben, von Herzen alles Gute und hoffen, dass es uns gelingt, aus den Ereignissen zu lernen und künftig besser füreinander da zu sein.
Das Fincan als offenes Wohnzimmer im Kiez
Das Fincan wird vom Mainzelmenschen e.V. getragen und versteht sich als eine Art offenes Wohnzimmer für den Kiez. In unseren Räumen treffen sich Menschen zu Yoga, Büroarbeit und Konzerten, aber auch feministische Gruppen zum Stammtisch. Unser ehrenamtliches Team sowie unsere Gäste kommen aus vielen Ländern und haben unterschiedliche kulturelle Hintergründe, Lebensrealitäten und Bedürfnisse. Ein respektvoller und diskriminierungsfreier Umgang miteinander ist für uns daher Teil unseres täglichen Miteinanders. Auch deshalb nehmen wir Berichte über Diskriminierung und Grenzverletzungen und die Kritik an unserem Umgang damit sehr ernst.
Unsere ehrenamtliche Struktur
Der Mainzelmenschen e.V. und der Betrieb des Fincan basieren in sehr hohem Maße auf ehrenamtlichem Engagement und Selbstorganisation. Es existiert keine hauptamtliche Leitung, die Kommunikation und Tätigkeiten steuert. Stattdessen organisieren Nachbarinnen und Nachbarn den Betrieb auf Augenhöhe, neben Job, Familie und weiteren Verpflichtungen. Die Aufgaben lagen dabei in den letzten Jahren stets auf wenigen Schultern verteilt, denn trotz großer Bemühung fällt es uns, wie vielen anderen Kulturvereine, nicht leicht, regelmäßig aktive Menschen für uns zu gewinnen.
Die Kommunikation im Fincan ist zum großen Teil über Signal-Chats organisiert. Es existiert ein großer Event-Chat mit aktuell rund 60 Personen, in dem alle aktiven und viele ehemalige (jetzt passive) Mitglieder verbunden sind. Hier werden die meisten unserer Kulturveranstaltungen organisiert und gemeinsame Plena angekündigt. Darüber hinaus gibt es zur funktionalen Aufgabenteilung einen Chat für die Küfa, die ÖA und das Board. Das Board ist eine kleine, relativ konstante Gruppe von ca. 5 Personen, die sich um die administrativen Vereinsangelegenheiten kümmert. Auch das Board ist jedoch keine Leitungsgruppe, sondern eine funktionelle Aufgabenteilung. Alle Ehrenamtlichen agieren auf Augenhöhe, einige sind in mehreren Gruppen aktiv, andere nur in einer.
Unter diesen Umständen hatten wir bezüglich des guten Miteinanders stets darauf vertraut, dass unser Team wie unsere Gäste sensibel genug im Umgang miteinander sind, um dieses aus einem implizierten gemeinsamen Verständnis für ein nachbarschaftliches Miteinander sicherzustellen. Da aber zuletzt der Wunsch aufkam, eine dezidierte Awareness-Struktur zu schaffen, wurde Anfang Juli die Entwicklung eines Code of Conduct angestoßen. Zusätzlich wurde die Frage nach einer Awareness-Schulung und einer Vertrauensperson in die Gruppe eingebracht.
Die Vorwürfe und der Umgang damit in der Chatgruppe
Die obengenannten Vorwürfe wurden erstmals Mitte Juli 2026 in der großen Signal-Event-Gruppe geäußert. Viele Mitglieder des Teams erfuhren erst über diese Beiträge davon. Die meisten waren weder an den ursprünglichen Situationen beteiligt noch mit deren Hintergründen vertraut. Andere wiederum hatten da bereits persönliche Gespräche mit Beteiligten geführt und taten das weiterhin auch im Anschluss daran.
Da einige der Ehrenamtlichen zu diesem Zeitpunkt im Urlaub waren und ihre Nachrichten seltener abriefen als sonst, wurde mit weniger Antworten auf die Schilderungen reagiert, als dies zu erwarten gewesen wäre. Dies erzeugte bei einigen Personen Frust und das Gefühl, mit ihren Anliegen nicht ausreichend gehört und unterstützt zu werden.
Daraus entwickelte sich innerhalb weniger Tage eine sehr intensive Auseinandersetzung zwischen verschiedenen Mitgliedern der Chatgruppe. Es wurden zunehmend grundsätzliche Vorwürfe gegenüber dem Fincan, dem Verein und Teilen des Boards erhoben. Einige Personen wollten helfen, fühlten sich aber von der Dynamik überfordert. Andere fühlten sich zu Unrecht angegriffen. Die Wahrnehmungen der Situation wichen in zunehmendem Maße sehr deutlich voneinander ab.
10 Tage nachdem sie die obengenannten Vorwürfe erstmalig erhoben hatten, verließen schließlich 2 Personen die Chatgruppe und erklärten ihren Rückzug aus dem Event-Team und dem Fincan. Eine weitere Person folgte dem Ausstieg aus Solidarität. Aber auch mehrere andere Personen, die sich von den Vorwürfen zu Unrecht angegriffen fühlten, haben sich seitdem aus der Arbeit des Event-Teams zurückgezogen.
Eine angemessene Klärung der konkreten Vorfälle war in diesem Rahmen und der Kürze der Zeit leider nicht möglich.
Was wir bedauern und wo wir es anders sehen
Wir bedauern ganz ausdrücklich, dass es uns trotz bestem Willen in der beschriebenen Situation nicht gelungen ist, frühzeitig einen klaren, für alle Beteiligten erkennbaren Prozess zu etablieren und den Personen, die sich als Betroffene an das Team gewandt haben, ausreichend deutlich zu vermitteln, dass ihre Schilderungen gehört und ernst genommen werden. Diesen Punkt nehmen wir ausdrücklich in unsere weitere Aufarbeitung mit.
In einigen Punkten möchten wir den uns betreffenden Anschuldigungen jedoch widersprechen:
Die Aussage, der Verein, bzw. die ihn tragenden Personen, hätten Rassismus, Queerfeindlichkeit oder sexualisierte Übergriffe gedeckt, Betroffene mundtot gemacht, entsprechende Verhaltensweisen bewusst toleriert, oder sich bewusst gegen eine Aufarbeitung gestellt, entspricht nicht unserer Wahrnehmung der Vorgänge.
Ausblick
Wir wollen aus der aktuellen Situation lernen, ohne dabei einzelne Menschen öffentlich gegeneinanderzustellen oder einen persönlichen Konflikt weiterzuführen.
Unser Anspruch ist nicht, dass bei uns niemals Fehler passieren. Unser Anspruch ist, dass wir mit ihnen verantwortlich umgehen und dass Menschen, die sich mit einem solchen Anliegen an uns wenden, einen verlässlichen Weg dafür vorfinden.
Unser Zwischenziel für den Herbst 2026 war und ist, in einem mehrstündigen Workshop einen Code of Conduct zu erarbeiten. Wir wollen diesen nicht lediglich aus einer anderen Organisation übernehmen, sondern gemeinsam verbindlich festhalten, welche Werte im Fincan gelten, welche Verhaltensweisen wir erwarten, wie mit Grenzverletzungen und Diskriminierung umgegangen werden soll und vor allem, an wen sich Betroffene wenden können und welches Verfahren dann greift.
Darauf aufbauend wollen wir im Anschluss eine Awareness-Struktur und ein etabliertes Verfahren für den Umgang mit Meldungen über Grenzverletzungen erarbeiten, sowie eine Vertrauensperson benennen. Damit wollen wir sicherstellen, dass Verantwortlichkeiten klarer werden und Reaktionen schneller erfolgen können, als dies bis jetzt der Fall ist. Konkret streben wir an, mindestens eine Person aus unserem Umfeld dafür zu gewinnen, sich als Awareness-Beauftragte bei einem externen Träger fortbilden zu lassen.
Ob und in welchem Zeitrahmen wir dies erreichen, können wir aufgrund der derzeit prekären Lage an ehrenamtlichem Engagement leider nicht sicher sagen. Was wir aber sagen können, ist, dass uns ein sicheres und respektvolles Miteinander im Fincan sehr wichtig ist und wir jederzeit unser Bestes tun, um dies sicherzustellen.
Für Rückfragen, persönliche Gespräche und Tipps stehen wir sehr gerne zur Verfügung.
Der Vorstand vom Mainzelmenschen e. V.
18.09.2026
